HMS CORIOLANUS

 

Das ist das Szenario, in dem die HMS CORIOLANUS ihren letzten Einsatz fährt. HMS CORIOLANUS ist jedoch nicht das, was der äußere Anschein glauben macht: ein leicht bewaffneter Fischtrawler, von der Briten Anfang der vierziger Jahre in großen Stückzahlen gebaut, um die Fischversorgung der britischen Inseln und ihrer kämpfenden Truppen auf dem gesamten Erdball sicherzustellen. SHAKESPEARE-Klasse nannte die Admiralität diesen Schiffstyp, weil er Namen von Bühnenfiguren des berühmten Dramatikers trug. Coriolanus war ein römischer Patrizier, der, vom Senat verbannt, mit einem Heer des benachbarten Volkes der Volsker die Stadt Rom belagerte. Erst durch Bitten seiner Mutter ließ er sich davon abbringen.

Der Name dieses römischen Helden ist wie ein Symbol, denn HMS CORIOLANUS ist eines der ersten sogenannten Fischerboote, die von allen am Kalten Krieg beteiligten Seiten in großer Zahl ausgerüstet und eingesetzt wurden, gespickt mit dem modernsten Stand der Abhörtechnik, um den jeweiligen Gegner auf elektronischem Wege auszuspionieren.

HMS CORIOLANUS war bereits mit Erfolg in zwei Operationen im Verlauf des II.Weltkrieges eingesetzt worden: Operation TORCH, die Landung der alliierten Truppen in Afrika 1942, und Operation HUSKY, die Invasion in Sizilien 1943. In beiden Fällen hatte das Schiff Kommunikations- und Verbindungsaufgaben wahrgenommen, bei der Landung in Afrika war es zur Sicherung der II. Landungsgruppe vor Oran eingesetzt; genaueres läßt sich bis heute nicht eruieren, die britischen Archive geben sich sehr verschlossen. Selbst auf den beiden einzigen Photos, die das Imperial War Museum besitzt, ist die Kennung des Schiffes am Bug wegretuschiert.

Auch der konkrete Auftrag auf ihrer letzten Fahrt ist nicht restlos geklärt: Hatte HMS CORIOLANUS die jugoslawische Küste zu überwachen, den Funkverkehr der neuen Herren auf diesem Teil des Balkans abzuhören, oder war sie auf dem Weg nach Norden, wo sich die Situation um Triest unmittelbar nach dem Kriegsende zuspitzte? Italien wie Jugoslawien erhoben Anspruch auf die Hafenstadt, deren Bevölkerung selbst den Status eines Freistaates anstrebte.

Was auch immer die Aufgabe Lt. Hunts war, er kam nicht mehr dazu, seinen Auftrag mit HMS CORIOLANUS durchzuführen. Gegen 1400 Uhr zerriß eine gewaltige Explosion die Luft. Das Schiff war auf eine Mine gelaufen und sank innerhalb weniger Minuten ca. 6 Meilen vor Novigrad/Cittanova. Über Opfer liegen keine Daten vor, italienische Taucher wollen aber Anfang 1995 noch menschliche Überreste im Wrack gefunden haben. Als Ursache des Unterganges wurde zunächst ein Torpedotreffer kolportiert, die britischen Quellen sprechen jedoch ganz klar von einer Mine. Auch die Lage des Lecks nahe dem Schiffsboden läßt diese Version wahrscheinlicher erscheinen.

Die Untergangsstelle wurde später von der Volksrepublik Jugoslawien zum militärischen Sperrgebiet erklärt, und erst seit dem Spätsommer 1994 ist es möglich, das Wrack zu betauchen.

 

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